Geschlechterstereotype in der Bildungssozialisation

eine Studentin und ein Student lächelnd im Arkadenhof

Männer und Frauen haben in unserer Gesellschaft formal die gleichen Entwicklungs- und Bildungschancen und Metaanalysen zeigen, dass sich die Geschlechter per se auch nicht bedeutsam in kognitiven Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften unterscheiden. Trotzdem sind in Bildungskontexten nach wie vor konsistent Geschlechtsunterschiede zu beobachten: Mädchen interessieren sich vermehrt für sprachliche Fächer, Buben für Mathematik und Naturwissenschaften. Junge Frauen werden noch immer weitaus häufiger Friseurinnen oder Lehrerinnen, junge Männer Automechaniker oder Ingenieure. Mädchen haben im Mittel zwar bessere Noten und schließen Schule und Ausbildungen häufiger erfolgreich ab, im Berufsleben sind Frauen in höheren Positionen aber deutlich unterrepräsentiert.

Die Ursachen für Geschlechterdifferenzen in Leistung, Motivation und Interessen sind fraglos vielfältig. Unstrittig ist aber die zentrale Rolle von Geschlechterstereotypen, d.h. von kulturell geteilten Annahmen darüber wie Männer und Frauen respektive Buben und Mädchen sind und wie sie sein sollten. In unserer Forschung beschäftigen wir uns damit, wie Geschlechterstereotype in verschiedenen Bildungskontexten vom Kindergarten über die Schule bis hin zur Universität - zumeist nicht intendiert - aufrechterhalten werden und wie sie sich auswirken. Aufbauend darauf entwickeln wir Interventionen zur Reduktion von Geschlechterstereotypen in diesen Kontexten, führen diese Interventionen durch und evaluieren deren Wirksamkeit.


Projekte

REFLECT - Genderkompetenz durch Reflexive Koedukation

  • Projektleitung: Christiane Spiel & Barbara Schober
  • ProjektmitarbeiterInnen: Monika Finsterwald, Nina Hesse, Gregor Jöstl, Michaela Pichler, Vera Popper
  • Finanzierung: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK), Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF), Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) 

Geschlechtersensible Pädagogik im Elementarbereich

  • Projektleitung: Christiane Spiel & Barbara Schober
  • Projektmitarbeiterinnen: Marlene Kollmayer, Marie-Therese Schultes
  • Finanzierung: Bundesministerium für Familien und Jugend (BMFJ)

 

Ausgewählte Publikationen

Patzak, A., Kollmayer, M. & Schober, B. (2017). Buffering Impostor Feelings with Kindness: The Mediating Role of Self-compassion between Gender-role Orientation and the Impostor Phenomenon. Frontiers in Psychology, 8. doi: 10.3389/fpsyg.2017.01289

Kollmayer, M., Schober, B., & Spiel, C. (2016). Gender stereotypes in education: Development, consequences, and interventions. European Journal of Developmental Psychology, doi: 10.1080/17405629.2016.1193483.

Kanka, M., Wagner, P., Schober, B., & Spiel, C. (2013). Gender-stereotyped attitudes in kindergarten students: A multicausal analysis. The European Journal of Social & Behavioural Sciences (EJSBS), 8 (5), 1294-1299

Finsterwald, M., Schober, B., Jöstl, G. & Spiel, C. (2012). Motivation und Attributionen: Geschlechtsunterschiede und Interventionsmöglichkeiten. In H. Stöger & A. Ziegler (Hrsg.), Mädchen und Frauen in MINT: Bedingungen von Geschlechtsunterschieden und Interventionsmöglichkeiten (S. 193-212). Berlin: LIT.

Hausmann, M., & Schober, B. (Ed.). (2012). Sex and Gender Differences Revisited – New Perspectives and New Findings. Topical Issue of the Zeitschrift für Psychologie/ Journal of Psychology.

Jöstl, G., Bergsmann, E., Lüftenegger, M., Schober, B., & Spiel, C. (2012). When will they blow my cover: The impostor phenomenon as a psychological barrier in female university careers. Zeitschrift für Psychologie / Journal of Psychology, 220, 109-120.

Spiel, C., Schober, B. & Finsterwald, M. (2011). Brave Mädchen - Böse Buben? Genderstereotype in der Bildungssozialisation. In Magerl, G., Neck, R. & Spiel, C. (Hrsg.), Wissenschaft und Gender (S. 81-97). Wien: Böhlau.

Schober, B., Dresel, M., & Ziegler, A. (2008). Warum Elterneinflüsse in der Koedukationsdebatte berücksichtigt werden sollten. Erwartungen, Einstellungen und Überzeugungen von Eltern von monoedukativ und von koedukativ unterrichteten Mädchen. In P. H. Ludwig, & H. Ludwig (Hrsg.), Erwartungen in himmelblau und rosarot. Effekte, Determinanten und Konsequenzen von Geschlechterdifferenzen in der Schule (S. 237−250). Weinheim: Juventa.

Spiel, C. & Schober, B. (2008). Does our educational system discriminate against girls? Report for the Committee on Equal Opportunities for Women and Men of the European Council: University of Vienna.